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Lemgo Wappen Lemgo

Von Strohsemmeln und Pickert

Typisch lippisch – das ist eine zutreffende Beschreibung des Gerichts Pickert. Der Kartoffel-Hefe-Kuchen ist gewissermaßen das Nationalgericht Lippes und hat sich seit dem 19. Jahrhundert vom „Arme-Leute-Essen“ zur beliebten Spezialität gemausert. Besonders in der kalten Jahreszeit erfreut sich der Pickert großer Beliebtheit, schließlich kann er, je nach Vorliebe, sowohl süß – mit Marmelade oder Rübenkraut – als auch herzhaft – mit echter lippischer Leberwurst gegessen werden. Echte Lipper entscheiden sich allerdings nicht für nur eine Variante, sondern nehmen beides: Leberwurst und Rübenkraut.

Heutzutage gibt es kein Restaurant mit regionaler Küche in Lippe, das den Pickert nicht in der Speisekarte stehen hat. Traditionell wird Pickert am Nachmittag mit Kaffee gegessen, das Gericht eignet sich aber ebenso als Hauptspeise. Es gibt Pickert-Stände auf den Wochenmärkten und Pickert-Abende bei Vereinen, Veranstaltungen und natürlich in den heimischen Wohnzimmern. Auch die meisten Lemgoer Bäcker haben mindestens ein Mal die Woche Pickert im Angebot.

Lemgoer Pickert

Die Liste der Zutaten ist so einfach, dass es für den Genuss von Pickert meist nicht einmal einen Einkauf bedarf: Kartoffeln, Mehl, Eier, Milch, Hefe, Gewürze, nach Geschmack auch Rosinen. Wer es noch einfacher haben möchte, kann auch auf eine fertige Mischung zurückgreifen. Das Produkt des „Pickert-Mädels“ gibt es sowohl online als auch in den Lemgoer Supermärkten.

Nicht nur typisch lippisch, sondern wirklich typisch Lemgo – das ist die Strohsemmel. Sie gehört so fest zu Lemgo, dass ihr die Stadt ein ganzes Fest widmet: Jedes Jahr wird am letzten Juniwochenende das Strohsemmelfest gefeiert. Diese Ehre hat sich das fluffige Gebäck über viele Jahre erarbeitet, denn die Geschichte der Strohsemmel ist noch älter als die des Pickerts. Anfang des 19. Jahrhunderts verbrachte der Lemgoer Bäckergeselle Conrad Ludwig Richter seine Wanderjahre in Russland. Von dort brachte er dann das Rezept für die Strohsemmel mit, das einen für Russland typischen Arbeitsschritt enthielt: Vor dem Backen werden die Teigstücke mit kochendem Wasser überbrüht. Das sorgt dafür, dass die Strohsemmeln besonders lange haltbar sind.

Doch woher kommt der Name Strohsemmel? Er entstand aus einer Notwendigkeit beim Backen. Strohsemmeln wurden bei sehr hohen Temperaturen gebacken, bei bis zu 280 Grad. Wären die Semmeln bei solchen Ofentemperaturen auf den heißen Stein gelegt worden, wären sie verbrannt. Das Stroh verhinderte das. Der Tradition entsprechend werden noch heute die Strohsemmeln auf Stroh gebacken.

Lemgoer Strohsemmel

Diese beiden Kniffe sind es, die Conrad Ludwig Richter nach Lippe brachte und die die Strohsemmel so einzigartig machen. Heute bietet jede Lemgoer Bäckerei Strohsemmeln an. Pur oder mit Marmelade, einfach mit Butter, herzhaft belegt mit Käse oder Wurst – Strohsemmeln sind genauso vielseitig wie Pickert. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, denn es gibt genauso viele Arten von Strohsemmeln wie es Bäcker in Lippe gibt. Das liegt zum einen daran, dass die Backkunst ein Handwerk ist und jeder Bäcker seine eigenen Handgriffe hat. Zum anderen aber gab es diese Vielfalt schon zu Beginn der lippischen Strohsemmel-Geschichte, denn Bäcker Richter verriet nie sein Original-Strohsemmel-Rezept, weswegen sehr bald die Nachahmer wie Pilze aus dem Boden schossen. Deshalb muss man sich auch heute noch durchprobieren, um am Ende die ganz eigene Lieblingsstrohsemmel zu finden.

Zum Abschluss ein Tipp: Bevor sie in ihre Strohsemmel beißen, drehen sie ihre erstandene Köstlichkeit einmal um. Manchmal findet sich noch ein Erinnerungsstück an den besonderen Backvorgang an der Unterseite der Semmel. Wenn dann alle Strohspuren beseitigt sind, steht einem uneingeschränkten Essgenuss nichts mehr im Wege.

Pickert-Rezept

Ob zum Mittagessen oder am Nachmittag, süß oder herzhaft, für den kleinen oder für den großen Hunger – Pickert passt immer. Lassen Sie es sich schmecken!

Zutaten:
500 g Kartoffeln
500 g Mehl
5 Eier
1 EL Zucker
150 ml Milch
1 Päckchen Trockenhefe
1 TL Salz
Rosinen (wahlweise)
Fett/Öl

Zubereitung:
Die Kartoffeln schälen, fein reiben und im Sieb abtropfen lassen. Die Hefe mit der lauwarmen Milch und dem Zucker verrühren. Die Kartoffeln mit Eiern und Salz verrühren, dann mit dem Hefeansatz verrühren. Das Mehl dazugeben. Der Teig sollte klebrig sein und schwer reißend vom Löffel fallen. Den Teig an einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen. Nach Geschmack Rosinen unter den Teig mengen und den Teig erneut eine Stunde aufgehen lassen. Fett/Öl in einer Pfanne erhitzen und den Teig in vier bis fünf Portionen goldbraun ausbacken.

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