• So schmeckt Westfalen!
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Soester Börde

Schwarzbrot, Bier und Bullenaugen

Als „Börde“ bezeichnet man das fruchtbare Ackerland um Soest herum, das durch seinen ertragreichen Lössboden geprägt wird. Wenig verwunderlich, dass die wohlhabende und einflussreiche Hansestadt in früheren Zeiten als „Kornkammer Westfalens“ bezeichnet wurde.

Das leibliche Wohl spielt in Soest also seit jeher eine wichtige Rolle. Davon kann man sich noch heute „bildhaft“ in der Kirche St. Maria zur Wiese – eine der schönsten gotischen Hallenkirchen Deutschlands – überzeugen. Ein Besuch der Wiesenkirche, wie sie im Volksmund heißt, gehört bei einem Soest-Aufenthalt unbedingt dazu. Und wer in früheren Zeiten als Handwerker beweisen wollte, dass er tatsächlich während der Walz in Soest gewesen ist, musste beschreiben können, welche Speisen in der Abendmahlszene auf dem inzwischen berühmt gewordenen Fenster auf dem Tisch stehen. Statt Wein und Brot kredenzt der unbekannte Schöpfer des „Westfälischen Abendmahl“-Fensters Jesus und seinen Jüngern bei ihrer letzten gemeinsamen Mahlzeit Schweinskopf, westfälischen Knochenschinken, Bier aus großen Steinkrügen, kräftiges Schwarzbrot und zum Abschluss ein Schnäpschen. Darauf lassen zumindest die entsprechenden Gläser schließen, die man rechts neben dem Teller mit dem Schinken entdecken kann…. Soester Pumpernickel, Knochenschinken und ein westfälischer Korn nach Vorbild des Westfälischen Abendmahl-Fensters werden den geladenen Ehrengästen der Stadt Soest übrigens auch traditionell beim Philippsessen serviert. Hierbei handelt es sich um das älteste Ratsessen Deutschlands.

„Westfälischen Abendmahl“-Fenster

Warum die Vorliebe der damaligen Gattin der Soester Bürgermeisters für üppiges Essen der Legende nach sogar für den siegreichen Ausgang der Soester Fehde gesorgt haben soll, davon wissen die Soester Gästeführer bei unterschiedlichen Stadtführungen zu berichten, die sich speziell um die Themen Kulinarik und westfälische Gastlichkeit drehen:

Denn dass das leibliche Wohl in Soest traditionell eine wichtige Rolle spielt, spiegelt sich nicht zuletzt auch in der umfangreichen Gastronomielandschaft und in der Kneipendichte wieder, in der man schnell einmal den Überblick verlieren kann. Gemessen an der Einwohnerzahl besitzt Soest eine der höchsten Kneipendichten in NRW. Am besten und kompaktesten lassen sich die urigen Gaststätten daher im Rahmen einer geführten „Historischen Gaststättentour“ oder einer „Menü-Safari“ erkunden. Bei letzterer werden die verschiedenen Gänge eines typischen westfälischen Menüs in vier unterschiedlichen Häusern serviert. Natürlich darf dabei auch das schon erwähnte Westfälische Abendmahl nicht fehlen, zu dem es im Brauchaus Zwiebel – Soests einziger Brauerei – ein hausgebrautes Soester Hell oder Dunkel gibt. Den krönenden Abschluss bildet ein Halbgefrorenes mit Original Soester Pumpernickel im Pilgrimhaus, dem ältesten Gasthaus Westfalens.

Das süßliche Schwarzbrot, das Napoleon einer gern erzählten Geschichte nach noch mit den Worten „Gerade mal gut genug für mein Pferd“ verschmäht haben soll, gilt heute als Delikatesse. Es ist inzwischen in den Regalen zahlreicher Feinkostgeschäfte in der ganzen Republik zu finden. Und es ist ein echtes „Soester Original“, denn hier wurde es in der Bäckerei Haverland zuerst gebacken.

Wer lieber selber kocht und kreativ wird, dem sei ein Besuch des Soester Wochenmarktes empfohlen, der – im Schatten des Domes, des historischen Rathauses und der Petrikirche – immer dienstags, donnerstags und samstags vor einer der schönsten mittelalterlichen Kulissen Nordrhein Westfalens stattfindet. Frischer kann man regionaltypische Zutaten wie Steckrüben, Stielmus, Grünkohl und Börde-Äpfel kaum einkaufen….

Apropos regionale Spezialitäten: Wenn man die Bezeichnung Christstollen hört, denkt wohl jeder zunächst an Dresden. Tatsächlich kommen die meisten Exemplare des Weihnachtsgebäcks aber aus Soest. Denn hier ist mit der Firma Kuchenmeister der Weltmarktführer für Christstollen und Baumkuchen ansässig. Möglicherweise haben Sie beim Genuss von Feingebäck also schon – ganz unbewusst – ein Stück Soest probiert?

Bullenauge

Unbedingt probieren sollte man auch ein Soester Bullenauge. Das ist durchaus auch für Vegetarier geeignet. Denn ein Bullenauge isst man nicht, sondern man trinkt es. Und es handelt sich hierbei um einen köstlich schmeckenden Edelmokka-Likör, der mit einem Schuss flüssiger Schlagsahne versetzt und in Likörschalen serviert wird. Es ist sozusagen das „Nationalgetränk“ der Soester Allerheiligenkirmes – Europas größter Altstadtkirmes. Aber Achtung: Wer sich nicht als Soest-Neuling outen möchte, der sollte ein Bullenauge nicht im Hochsommer bestellen. Der echte Soester genießt sein Bullenauge nämlich nur im Winter. Es sei denn in Form der leckeren Bullenaugen-Creme aus unserem Rezept für Sie…

Bullenaugen-Brûlée

Zutaten:
300 g Schlagsahne
200 ml Milch
90 g Zucker
4 TL instant Kaffeepulver
20 ml Bullenauge (Edelmokka-Likör)
1 Ei
3 Eigelb
6 EL brauner Zucker

Zubereitung:
Sahne, Zucker und Milch verrühren und erwärmen, aber nicht kochen. Anschließend das Kaffeepulver und das Bullenauge einrühren. Dann das Ei mit den 3 Eigelben verquirlen, alles zum Sahne-Gemisch dazugeben und miteinander vermischen. Die Masse 1 Std. im Kühlschrank durchziehen lassen. In 6 kleine Förmchen oder Cappuccino-Tassen füllen und im vorgeheizten Backofen bei 160 ° Ober-/Unterhitze oder 140 ° Umluft im Wasserbad ca. 45 min stocken lassen. Aus dem Wasserbad nehmen und abkühlen lassen. Die abgekühlte Creme mit jeweils 1 EL Zucker bestreuen und mit einem Brenner oder mit der Grillfunktion des Backofens karamellisieren.

Hersteller und Onlineshop:

Northoff Feinbrennerei
Hultroper Dorfstraße 21
59510 Lippetal

Service Hotline zur persönlichen Beratung: 02527 9311-0
www.northoff-shop.de

Das Bullenauge ist außerdem in diversen Lebensmittelläden in Soest erhältlich und natürlich im Ausschank auf der Soester Allerheiligenkirmes.

Pumpernickelparfait

Zutaten für 5 Personen:
125 g Soester Pumpernickel
2 cl Kirschwasser
8 Eigelb
180 g Zucker
20 g Kakao
75 ml Weißwein
500 g geschlagene Sahne

Zubereitung:
Pumpernickel zerkleinern und mit dem Kirschwasser zugedeckt über Nacht einweichen lassen. Eigelb, Zucker, Kakao und Weißwein in einem Topf gut verrühren. Die Masse über dem Wasserbad aufschlagen, umfüllen und den eingeweichten Pumpernickel hinzugeben – erkalten lassen. Nun die aufgeschlagene Sahne vorsichtig unterheben und in eine Form umfüllen. Mit Folie abdecken und über Nacht in den Gefrierschrank stellen.

Pumpernickel zu beziehen über:

Haverland
Soester Backtradition seit 1570

Online zu bestellen unter:
www.baeckerei-haverland.de

Werksverkauf:
Lange Wende 6
59494 Soest

…und in diversen Lebensmittelläden in Soest

Das Hotel-Restaurant Pilgrimhaus serviert jeweils zwei Scheiben Pumpernickelparfait mit warmen Preiselbeeren und Sahne.

Hotel Restaurant Pilgrim-Haus
Ältester Gasthof Westfalens seit 1304
Jakobistraße 75
59494 Soest
Tel.: 02921 1828
www.pilgrimhaus.de

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