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Christkindchenwiegen in Korbach

Wie die Korbacher am Heiligen Abend das Christkind willkommen heißen

Alle Jahre wieder bietet die Kreis- und Hansestadt Korbach am Heiligen Abend ein besonderes Schauspiel. Zahlreiche Burschen und Männer begeben sich die 264 Stufen hinauf bis zur Galerie des Turmes der Kilianskirche. Warm angezogen und mit Laternen, Stricken und Lampions ausgestattet weht Ihnen dort auf dem gotischen Wahrzeichen Korbachs ein eisiger Wind ins Gesicht. Am Fuße der mächtigen Kirche warten unterdessen die Korbacher gespannt darauf, dass die Lichter über der Brüstung des Kilians aufleuchten und dem Christkind den Weg weisen. Dann erschallt über den Dächern der Altstadt der Choral „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“ und die Korbacher verspüren den besonderen Zauber des Heiligen Abends…

Der Brauch des “Christkindchenwiegens” geht bis in das Jahr 1543 zurück. Der Legende nach herrschte damals eine verheerende Seuche, die Tod und Verderben brachte. Die Korbacher trugen viele Kranke in die Kilianskirche. Schon drohte sogar der Ausfall der Weihnachtsmesse, da wagten einige noch gesunde Männer den Aufstieg auf den Turm: Sie ließen Fackeln und Laternen in alle vier Himmelsrichtungen vom Turm der Kirche leuchten und sangen andächtige Choräle dazu. So bereiteten die wiegenden Lichter dem Christkind eine Wiege, die es in der zum Lazarett umgenutzten Kirche nicht finden konnte.

Die Pest verschwand schließlich aus der Stadt – und der Brauch des Christkindchenwiegens hat sich bis heute bewahrt. Übrigens wurde Korbach seither nicht wieder von der Pest befallen.

Weiterführende Informationen/Links:

Die nachfolgende Geschichte mag den Brauch des Christkindchenwiegens nochmals verdeutlichen.

Es war der 24. Dezember. Nach Jahren der Wanderschaft kam Henner voller Vorfreude zurück in seine Heimatstadt Korbach. Doch seine Freude war schnell vorbei, als er hörte, dass Kriege und Seuchen während seiner Abwesenheit die Stadt heimgesucht hatten. In allen Häusern gab es Pest-Kranke, und das Hospital war längst zu klein geworden.

Deshalb brachte man viel Kranke in die Kilianskirche. Auch Maria, Henners Schwester, lag hier im Fieber. Henner setzte sich zu ihr und sagte: „Maria, erkennst du mich? Ich bin zurückgekommen, wie ich es versprochen habe. Es ist Weihnachten.“

Da öffnete die Kranke ihre Augen und flüsterte: „ Weihnachten – da will doch das Christkind kommen. Aber wir können ihm keinen Platz geben. In der Kirche kann es nicht bleiben, hier ist so viel Blut, Schreien und Stöhnen. Doch gerade jetzt brauchen wir es so sehr! Schaff du ihm eine Wiege, damit es zu uns kommen kann, denn sonst müssen wir alle sterben!“

Was sollte Henner tun? Er wusste nicht, wie er helfen konnte, und trat ratlos vor die Kirche. Es dämmerte schon, und Henner bat Gott im stummen Gebet, ihm einen Weg zu zeigen, wie er dem Christkind eine Wiege bereiten könne.

Da klang ein Vogelschrei herab vom Kirchturm, und als Henner nach oben blickte, sah er eine Sternschnuppe, die am Abendhimmel aufleuchtete. Plötzlich wusste er, was zu tun war. Wenn Sie dieses Jahr nicht in die Kirche konnten, dann mussten sie eben auf den Turm! In Windeseile rief Henner alle gesunden Männer zusammen. Es war schon dunkel, als sie die steile Treppe empor stiegen. Sie trugen ihre Laternen und Fackeln an langen Stangen herauf. Wie ein leuchtender Kranz legten sie sich um den Turm und schwangen auf und nieder, auf und nieder – so, wie eine Wiege schwingt. So war doch noch alles für das Christkind bereitet.

Es heißt, dass seit diesem Weihnachtsabend niemand mehr an der Pest gestorben ist. Und die Menschen versprachen, von nun an jedes Jahr an Weihnachten dem Christkind auf dem Turm der Kilianskirche ein feierliches Wiegenfest zu bereiten.

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