• Stutzäsen, Potthast und ein Urzeit-Dackel
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Kurioses aus der Hansezeit- Wie eine Walrippe nach Herford kam!

Eine Walrippe und Herford? Wie passt das zusammen? Schwammen etwa einst Wale durch Werre und Aa? – Natürlich nicht … die Geschichte der Walrippe geht zurück ins 16. Jahrhundert.

Damals waren Kaufleute die führende Gruppe innerhalb der Herforder Bürgerschaft. Sie lenkten die Geschicke der Stadt und stellten nicht selten die Ratsmitglieder und Bürgermeister. Als weitgereiste Händler brachten sie stets ungewöhnliche Andenken mit. Noch heute erinnern einige dieser kuriosen Exponate im Städtischen Museum und in Kirchen an die damalige Hansezeit.

Eine dieser Kuriositäten ist in der Herforder Jakobikirche zu sehen. Dort hängt noch heute eine ca. 2,25 Meter lange Walrippe. Ihrem Aussehen nach stammt sie wahrscheinlich von einem Pottwal. Als Zeichen für die Wunder der Schöpfung wurde sie in der Kirche ausgestellt.

Auf ihrer Vorder- und Rückseite befindet sich eine mittelniederdeutsche Inschrift:

Vorderseite: ,,Eine grade vdt dem walfische bin ick, int iuste Reff hebbe ick sulue gefange mick. Min lenckte is gewese 80 fodt” Rückseite: ,,vdt miner helfte 125 tunne Trans bamen doth. Min sterdt r.s gewese 15 fodt bredt,das hefft mi gebracht in grodt vordreft. ANNO 1589″

Die Übersetzung lautet in etwa: „Eine Gräte aus dem Walfisch bin ich, im Juister Riff habe ich mich selbst gefangen. Meine Länge ist gewesen 80 Fuß. Aus meiner Hälfte wurden 125 Tonnen Tran gebrannt. Mein Schwanz ist 15 Fuß breit gewesen, das hat mich in große Not gebracht. Anno 1589“

Der in dieser Zeit lebende Kaufmann, Ratsherr, Bürgermeister und Kirchenpatron Anton Brutlacht gilt als Stifter der Walrippe. Er soll die Rippe eines auf Juist gestrandeten Wales erworben haben und diese als Symbol des Hansabundes in der Jakobikirche aufhängen lassen.

St. Jakobi, eine frühere Pilgerkirche für die Jakobspilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela, war 1530 in Folge der Reformation geschlossen worden. 1590 wurde sie auf Betreiben einiger Radewiger Bürger unter der Führung von Anton Brutlach wieder eröffnet.

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