• Stutzäsen, Potthast und ein Urzeit-Dackel
Korbach Wappen Korbach

Dem „Korbacher Dackel“ ins Maul geschaut

Eine urzeitliche Hundeliebe in der Hansestadt Korbach

Am Dackel scheiden sich bekanntlich die Geister. Von „Ach wie niedlich“ bis „kurzbeinige Laufwarze“ – das Spektrum der Meinungen ist sehr, sehr weit… Und nun also ausgerechnet auch noch ein „Korbacher Dackel“? Ja, sagen die Korbacher, der ist nämlich etwas richtig Besonderes. Nicht umsonst ist er das inoffizielle Wappentier der Stadt – und das offizielle des Nationalen Geoparks GrenzWelten, der sich rund um Korbach zwischen Sauerland und den Kasseler Bergen erstreckt.

Lebensechte Rekonstruktion von Procynosuchus

Jetzt ist das aber so eine Sache mit dem Korbacher Dackel. Zunächst einmal ist er seit rund 250 Millionen Jahren tot. Das macht ihn in den Augen der Dackel-Hasser schon mal deutlich attraktiver. Und wenn man es genau nimmt, ist er eigentlich auch gar kein Dackel, sondern ein „Säugetierähnliches Reptil“ – was ihn dann wiederum in den Augen der Dackelliebhaber deutlich weniger attraktiv macht. Nur die Größe stimmt in etwa: Ungefähr 60 cm lang wird er gewesen sein und wackelte ganz dackelähnlich auf kurzen Beinchen durchs Leben.

Aber da muss doch noch mehr sein, schließlich sind Wissenschaftler weltweit begeistert von dem kleinen Kerl. Was ist also das Besondere am Korbacher Dackel?

Da gibt es einiges zu erzählen.

Zunächst einmal hat der Korbacher Dackel einen „richtigen“ Namen, nämlich „Procynosuchus“. Das ist lateinisch und bedeutet in etwa „Zum-Hund-hin-Echse“. Womit die erste Besonderheit schon im Namen steckt: Der kleine Kerl vereint Merkmale der – evolutionsgeschichtlich betrachtet – „ursprünglichen“ Reptilien und der „fortschrittlichen“ Säugetiere. Damit ist er ein Mosaiktier – ein Bindeglied in der Evolution, so wie auch der berühmte Urvogel Archaeopteryx, der Dinosaurier und Vögel verbindet.

Skelett von Procynosuchus

Beim Procynosuchus wird das v.a. an zwei Merkmalen sichtbar, dem Gebiss und den Beinen. Könnten wir dem Korbacher Dackel ins Maul schauen, würden wir unterschiedliche Zähne erkennen, denn unser „Procy“ hatte schon Eck- und Backenzähne wie ein Hund. Außerdem standen seine Hinterbeine bereits ziemlich senkrecht unter dem Körper, so wie bei den heutigen vierbeinigen Säugetieren. Reptilien haben dagegen nur eine Art von Zähnen, und die Beine stehen seitlich deutlich vom Körper ab – so wie z.B. bei den Krokodilen.

Die zweite Besonderheit ist, dass Wissenschaftler fossile Überreste des Procynosuchus bisher nur im südlichen Afrika gefunden haben. Korbach ist der einzige Nachweis auf der Nordhalbkugel. Die Wissenschaftler haben damit nicht nur einen Beweis für die Existenz von Pangäa, einem Riesenkontinent aus der Zeit, als Europa und Afrika (sowie alle anderen heutigen Kontinente auf der Erde) noch verbunden waren. Sie können sogar nachweisen, dass dieser Riesenkontinent schon vor 250 Millionen Jahren, als der Korbacher Dackel lebte, existiert haben muss.

Und schließlich ist die Fundstelle, in der die Knochen des Korbacher Dackels gefunden wurden, selbst eine Besonderheit: Es ist die „Korbacher Spalte“, die älteste Fossilspalte Europas! Sie entstand durch ein Erdbeben in einer wüstenartigen Ebene am Rand des Zechsteinmeeres – ja richtig gehört, vor 250 Millionen Jahren lag Korbach mal am Meer! Sturzfluten, durch seltene Regengüsse in der Wüste hervorgerufen, spülten den Wüstenstaub zusammen mit Knochen von verendeten Tieren in die Spalte. Hier wurden sie bis heute konserviert: Nicht nur unser Procy und andere Säugetierähnliche Reptilien, sondern auch Vorfahren von Dinosauriern und weiteren Reptilien.

Also: In Korbach kann man auf den Hund kommen und sogar noch viel dabei lernen. Am besten bei einem Besuch vor Ort:

Korbacher Spalte und GeoFoyer Kalkturm Korbach

Frankenberger Landstraße 22, 34497 Korbach
www.korbacher-spalte.de

Wolfgang-Bonhage-MUSEUM KORBACH 

Kirchplatz 2, 34497 Korbach
www.museum-korbach.de

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