Elisabeth Agnes Becker, genannt Butterbettchen – „eine selbständige Kleinunternehmerin, […] eine hart arbeitende Frau mit ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten […].“ (Peter Bürger)
Elisabeth Agnes Becker, geb. 1858, gehörte von ca. 1880 bis 1930 zum Arnsberger Stadtbild. Auch heute noch, über 90 Jahre nach ihrem Tod, wird in Arnsberg die Erinnerung an diese tüchtige, liebenswürdige und sehr selbständige Frau gepflegt.
Als junge Frau von 17 Jahren kommt sie aus ihrem Heimatdorf Hellefeld als Küchenhilfe und zur Betreuung der Kinder zu der Arnsberger Kaufmannsfamilie Arens in die Königstraße. Mit den Kindern besucht sie oft deren berühmten Großvater, den Historienmaler Engelbert Seibertz. Sie bleibt zwei Jahre und lernt in dieser Zeit womöglich – quasi neben ihrem Job her – noch einiges an Handwerkszeug für ihre spätere Karriere als Geschäftsfrau.
Als sie nach Hellefeld zurückkehrt, lernt sie bei einer Weißnäherin. Zeitgleich zieht sie gemeinsam mit ihrem Vater einen Lebensmittelhandel auf. Sie beschicken Wochenmärkte in Arnsberg mit frischen Waren, die sie in Hellefeld und den umliegenden Dörfern einsammeln.
Spätestens ab Mai 1886, wohl aber schon zuvor, führt sie den florierenden Handel selbständig durch: Ein Gewerbeschein auf ihren Namen belegt dies.
An drei Tagen in der Woche besorgt Elisabeth Becker also Butter, Eier, Wurst, Geflügel und anderes bei den Bauern in Hellefeld und Umgebung und verkauft sie an den anderen drei Tagen in Arnsberg. Die Wege erledigt sie zu Fuß, mit „schwer genagelten Schuhen“, 9,5 km pro Strecke, von Hellefeld durch den bergigen Wald nach Arnsberg – auch im Winter, auch bei Dunkelheit, auch bei Regen und Schnee – 50 Jahre lang. Am Arm trägt sie den 13 Pfund schweren Korb, manchmal noch einen zweiten Korb am anderen Arm.
Wer möchte, kann diese Strecke heute auf dem „Butterbettchenweg“ des SGV nachwandern. Übrigens – das Laufen lernte Elisabeth Becker erst mit sieben Jahren, da sie als viertes von fünf Kindern klein und schwächlich zur Welt kam.
Ja, Butterbettchen war eher klein und zierlich, wie die lebensgroße Statue am Gutenbergplatz noch heute vermittelt. Aber sie war – nicht nur – körperlich offenbar stark und fit, und sie war – nicht nur – beruflich selbständig. Sie blieb zeitlebens ledig und unabhängig, zahlte ihre Rechnungen selbst und nahm am gesellschaftlichen Leben auch ohne männliche Begleitung teil. Sie sorgte mit ihrem Beruf und ihrem Geschäft für sich selbst und obendrein auch für ihre Eltern und Geschwister. Sie leistet neben dem Broterwerb Carearbeit, hilft etwa auch den erwachsenen Brüdern im Haushalt – so verzeichnet sie in ihrem Tagebuch, dass sie den „Jungs“ die Kleiderwäsche erledigt.
Als hilfsbereite, gute Seele erledigte sie an den Verkaufstagen unentgeltlich die Rezeptbesorgungen der Hellefelder in der Arnsberger Apotheke. Ein Zeugnis für ihre Sorge um die Mitmenschen ist auch ein Brief, den sie zur Zeit des ersten Weltkriegs an die Frau des Regierungspräsidenten schrieb. Darin äußert sie ihre Sorge um die gerechte Verteilung der Lebensmittel. Ungehindert dieser Liebenswürdigkeit wusste Elisabeth Becker, so ist es überliefert, sich mit ihrer schlagfertigen und selbstbewussten Art verbal zu wehren und durchzusetzen, wenn es nötig wurde.
Schon zu Lebzeiten war sie eine allseits bekannte und beliebte Persönlichkeit. Es ließen sich z.B. Studenten des Arnsberger Lehrerseminars bei einem Ausflug auf der Hellefelder Höhe 1920 mit ihr fotografieren.
Nach einem Unfall im Frühjahr 1932 stirbt sie im Krankenhaus in Enkhausen. Dort liegt sie auch begraben.
Juliane Rogge, Soest, 2025

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