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Soester Sinne-Erwecker

„Was uns erschöpft, ist die Nichtinanspruchnahme der Möglichkeiten unserer Organe und unserer Sinne, ist ihre Ausschaltung, Unterdrückung … Was aufbaut, ist Entfaltung. Entfaltung durch die Auseinandersetzung mit einer mich im Ganzen herausfordernden Welt.“ – Hugo Kükelhaus

Hugo Kükelhaus, der die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens in Soest verbrachte, war ein universaler Denker, Pädagoge, Handwerker, Philosoph, Künstler, Forscher und Schriftsteller. Schon früh machte er auf zentrale Probleme unserer Zeit aufmerksam und zeigte Möglichkeiten zu deren Überwindung auf. Seine elementare Lebenslehre verliert dabei nicht an Aktualität und Notwendigkeit, zumindest solange es nicht zu einer Umgestaltung unserer Umwelt kommt.

Kükelhaus spricht von einem regelrechten „Lebensentzug“, bei dem eine immer eintöniger werdende Umwelt dem Menschen immer weniger Möglichkeiten für Sinnes-Erfahrungen bietet. Diese Tendenz der modernen, westlichen Zivilisationen sah er korrespondierend mit einer künstlichen Reizüberflutung, die bestimmte Sinne überfordert, sowie einem Wertesystem, welches den Intellekt aus der Ganzheit der menschlichen Fähigkeiten heraushebt. Kritisch stand er jener Technik und Umweltgestaltung gegenüber, welche fast ausschließlich auf eine Entlastung des Körpers und der Sinne statt auf deren Herausforderung angelegt ist.

Mit den Sinnen leben, so lautet Kükelhaus‘ Philosophie um dieser Einschränkung entgegen zu wirken. Hierfür konzipierte er ein System zur Entfaltung der Sinne durch vielfältige Sinneserfahrungen. Die Wichtigkeit solcher Erfahrungen – von Anfang an – unterstrich er bereits Ende der 30er Jahre durch die Entwicklung des Spielzeugs „Allbedeut“. Hierbei handelt es sich um ein auch heute noch beliebtes Holzspielzeug zur Förderung der noch in Kleinkindern schlummernden Sinne und Fähigkeiten. Weiterhin schuf er das „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“. Hierbei fordern etwa 40 Experimentier- und Spielstationen zum Selbstexperiment auf, um grundlegende Sinnes- und Naturphänomene erfahrbar zu machen.

In Soest lassen sich, neben zahlreichen gestalterischen und künstlerischen Spuren von Kükelhaus auch einige Spielstationen wiederfinden. Als traditions- und kunstreiche Stadt bot Soest ihm eine förderliche Umgebung und Atmosphäre. Hier lebte er in seinem „unbezahlbaren Haus“, wie er es nannte. Denn so, wie es unbezahlbare Menschen gebe, gebe es auch unbezahlbare Dinge. Die zweistöckige Fachwerkscheune von 1670, welche er als Wohnsitz selbst auswählte, befindet sich im Bergenthalpark, im Herzen von Soest. Heute ist das Haus der Sitz der „Hugo Kükelhaus Gesellschaft e.V.“. Sie betreut seinen Nachlass seit 1993 und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kükelhaus‘ Werk und seine Ideen lebendig zu erhalten und deren Weiterentwicklung zu fördern.

Wer Kükelhaus hautnah erleben will, kann sich durch sein unbezahlbares Haus führen lassen und die museal gestalteten Räume erkunden. Anschließend lädt der direkt angrenzende Bergenthalpark mit mehreren Spielstationen dazu ein, unterschiedlichste Sinneserfahrungen am eigenen Körper wahrzunehmen.

Für weiterführende Informationen besuchen Sie die Seite der Hugo Kükelhaus Gesellschaft Soest e.V. unter www.hugo-kuekelhaus.de

Hugo Kükelhaus (1900-1984)