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Oberregierungsrat und Heimatdichter Bernhard (Natz) Thier

Oberbaurat Bernhard (Natz) Thier der Sohn des letzten Coesfelder Zinngießers, war ein bedeutender Münsterländer Mundartdichter und Mitbegründer der Coesfelder Karnevalsgesellschaft „Die-La-Hei“.

Thier studierte nach dem Abitur in Coesfeld Bauingenieurwesen in Aachen. Seit 1914 war er als beamteter Regierungsbaumeister in unterschiedlichen Funktionen überwiegend bei der Eisenbahndirektion Köln tätig. Zum 1. Dezember 1933 wurde er Dezernent und stellvertretender Leiter der neugeschaffenen Obersten Bauleitung der Reichsautobahnen mit Sitz in Köln bei der dortigen Eisenbahndirektion. Nach einer Verwundung durch einen Luftangriff 1944 wurde er auf eigenen Wunsch in das Coesfelder Krankenhaus überwiesen. Direkt nach Kriegsende beauftragten ihn die alliierte Besatzungsbehörde und die Stadtverwaltung mit der Leitung des Stadtbauamtes. Zum 1.Dezember 1945 übernahm er die Leitung der Obersten Bauleitung in Köln (integriert in den späteren Landschaftsverband Rheinland). Bis zu seiner Pensionierung war er in Köln tätig.

Schriftstellerisch tätig war Natz Thier schon während seiner Gymnasialzeit. Zunächst schrieb er in Hochdeutsch, später veröffentlichte er hauptsächlich Gedichte und Theaterstücke in Münsterländer Platt tlw. unter dem Pseudonym A. Berndt. Über die Stadtgrenzen hinaus machte er sich mit den plattdeutschen Theaterstücken wie „Möllers Drüksken“, „Wu is dat met Siska“ und „Kumeddigenmakers“ einen Namen, die sich u.a. mit der nationalsozialistischen Zeit beschäftigten.

Dem westfälischen Karneval war Natz Thier ebenfalls verbunden. In Coesfeld begründete er 1934 die heute noch bestehende Karnevalsgesellschaft Die-La[chende]-Hei[mat].

Am 29.01.1963 wurde eine Straße in Coesfeld nach ihm benannt. Ausserdem ist in der ehemaligen Werkstatt seines Vaters ein Museum eingerichtet worden, das Natz-Thier-Haus.

Natz-Thier-Haus

1826 erbaute Bernhard Heinrich Thier (* 1774, + 1843) im Garten hinter seinem Grundstück ein Fachwerkhaus als „Hinterhaus mit Wohnstube“. Er richtete hier eine Werkstatt ein, die bis etwa 1900 als Thier‘sche Zinngießerei in Betrieb war.

Dieses Gebäude ist wahrscheinlich das letzte Nebengebäude eines Bürgerhauses, das in Coesfeld vorhanden ist. Hier wohnte der Coesfelder Heimatdichter Natz Thier.

1983 erbte die Stadt Coesfeld die alte Zinngießerwerkstatt in der Pfauengasse mit der Auflage, sie im Gedenken an die Zinngießerfamilie Thier und den Heimatdichter Natz Thier museal zu nutzen.

Heute beherbergt das Haus ein Werkstattlädchen der Behindertenwerkstatt „Haus Hall“ sowie eine Natz-Thier-Ausstellung. Hier wird sowohl auf die Handwerksgeschichte als auch die Geschichte der Heimatbewegung in Coesfeld eingegangen. Deshalb finden sich neben Exponaten zu Natz Thier auch Grafiken des Coesfelder Malers und Grafikers Heinrich Everz. Das Museum wurde mit Unterstützung der Nordrhein-Westfalen Stiftung eingerichtet und 1995 eröffnet.

Die Ausstellung im Natz-Thier-Haus kann während der Öffnungszeiten des Werkstattlädchens von Haus Hall besucht werden.

Öffnungszeiten
Mo.-Fr.: 9:30 – 12:00 und 14:30 – 18:00
Samstag: 9:30 – 12:30

Eintritt frei

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