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Steinbruchpark „Mythos Stein“

Tiefschürfende Einsichten

Eine urtümliche Landschaft bietet der Steinbruchpark „Mythos Stein“ am Schneidweg in Geseke.  Durch die Abgrabung von Kalkstein wurde die Natur „auf null zurückgesetzt“. Im Hintergrund 30 m hohe Kalksteinwände, Berge von gesprengten Gestein und ein blau-grüner Abgrabungssee. Auf der renaturierten Steinbruchsohle hat sich bunter Kalk-Magerrasen entwickelt und bietet nun zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. 80 Millionen Jahre alte Ablagerungen aus dem Kreidemeer gilt es ebenso zu entdecken wie Muschel- und Seeigelabdrücke, die mit etwas Glück entdeckt und mitgenommen werden können. Spannende Einblicke für Naturliebhaber und technisch Interessierte.

Ein idealer Ort für Kunst befand die Soester Künstlerin Renate Geschke und schuf bereits vor 15 Jahren auf einer 7 Hektar großen Renaturierungsfläche im Steinbruch Fortuna der Fa. Dyckerhoff in Geseke zehn Installationen aus Kalkstein und Beton zum Thema „Mythos Stein“.

Die Firma Dyckerhoff hat im Jahr 2012 der Öffentlichkeit die Fläche zugänglich gemacht. Einzigartig für die Region ist der gleichzeitige Einblick in einen aktiven Steinbruch, wodurch die Besucher die Tätigkeiten zur Gewinnung des Kalksteins von der Sprengung über die Verladung bis zum Transport des Rohmaterials zum benachbarten Zementwerk aus sicherer Position betrachten können.

Manfred Raker, Biologe Naturschutzstiftung Geseke

Manfred Raker, Biologe und Projektleiter der Naturschutz-Stiftung Geseke:

„Steinbrüche setzen die Natur auf Null. Doch Pflanzen und Tiere kämpfen sich zurück.

Die Geseker Steinbrüche haben mich schon als Kind fasziniert. Zuerst waren es die Winnetou-Filme, die wir hier herrlich nachspielen konnten. Später kam mein Interesse für Natur und besonders die Geologie dazu. Steinbrüche sind Bücher der Erdgeschichte. Die oberste Bodenkrume, der Löss, vermischt mit eiszeitlichem Geschiebe, bedeuten einige Tausend Jahre Erdgeschichte. Noch tiefer liegt der Kalkstein aus der Oberkreide, etwa 88 Millionen Jahre alt. Diese Dimension entzieht sich unserer Zeitvorstellungen. Mein Lieblingsplatz ist der Steinbruchpark Mythos Stein am Schneidweg in Geseke. Jedes Mal, wenn ich den öffentlich zugänglichen Steinbruch betrete, öffnet sich ein phantastischer Blick auf das Münsterland und dann auf eine „Urlandschaft“, die man hier nicht vermutet. Steinbrüche setzen die Natur auf null. Die Grundlage – der belebte Boden – wurde entfernt. Doch Pflanzen und Tiere kämpfen sich zurück. Schon während des Abbaus, massiv aber nach dessen Beendigung, treten die „Pionierarten“ auf den Plan und bereiten den Lebensraum für ihre anspruchsvolleren Verwandten vor. Innerhalb weniger Jahre entsteht eine Pflanzdecke, die es in unserer Kulturlandschaft großflächig vor der Entdeckung des Kunstdüngers gab. So hat sich auf der Steinbruchsohle des Parks ein artenreicher Kalk-Magerrasen entwickelt, der in den Monaten Mai bis Juli eine beeindruckende Blütenpracht entfaltet: Übrigens: Meine liebste Zeit im Park ist ein warmer, feuchter Abend im Spätfrühling. Dann geben die Männchen von Geburtshelfer- und Kreuzkröten ein imposantes Ruf-Konzert.“

 

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