• Zigarren: Handel im Wandel
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Zigarrenfabriken in Lemgo um 1900

In den Jahren meiner Kindheit bestanden in Lemgo drei Zigarrenfabriken von einiger Bedeutung:

1. Kalbe und Schötteldreier, Hoher Wall 20, jetzige Besitzerin Frau Friese;

2. Emil Brodtmann in dem alten Weißenfelder Hof an der Schuhstraße, der 1911 abgebrochen wurde, nachdem Brodtmann in Konkurs geraten war;

3. Theodor Schmidt, der seinen Betrieb (gegründet 1830) damals noch im Stammhause Mittelstraße 13 hatte. Außerdem gab es noch eine Reihe kleinerer Zigarrenfabrikanten, die viele Zigarrenarbeiter — meist als Heimarbeiter — beschäftigten. Ein Teil der Arbeit wurde von Kindern besorgt, so z. B. das sogenannte Abstrusen, das ist das Entfernen der Rippen aus den Tabakblättern. Soziale Gesetzgebung oder Kinderschutzgesetze gab es noch nicht. Die Arbeit wurde sehr schlecht bezahlt; die Zigarren waren billig. Auf dem Tabak lag auch noch kein hoher Zoll. Die Zigarrenarbeiter wohnten sehr beschränkt in den billigsten Wohnungen, die in gesundheitlicher Hinsicht mangelhaft waren. Der scharfe Tabakstaub wirkte auf die Atmungsorgane schädigend, wobei noch hinzukam, daß meist in demselben Raum gekocht und Kinderwäsche getrocknet wurde. Die Tuberkulose forderte daher unter den Zigarrenarbeitern viele Opfer.

4. Zigarrenfabrikanten waren auch die Gebrüder Ebke in ihrem Hause Mittelstraße 56, jetzt Kaufmann Wehrmann am Markt. Später verlegten sie ihre Fabrikation nach Bismarckstraße 9. Sie hatten Wagen und Pferd und fuhren damit aufs Land zu ihrer Kundschaft. Am Langenbrücker Tor besaß der Sohn den „Graben“ neben dem Abteigarten und darin ein Gartenhaus, das schließlich verfiel und als Ruine abgerissen wurde.

5. Weitere Zigarrenfabrikanten waren Wilhelm Sieben, Mittelstraße 55, und Wilhelm Freitag, Mittelstraße 45.

6. In der Neuen Grabenstraße wohnten die Zigarrenfabrikanten August Schmuck — langjähriger sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter —, weiterhin August Langenberg und August Koch. Echternstraße 6 (Donopscher Hof) betrieb Wilhelm Weber die Herstellung von Zigarren und in der Uhlenstraße Heinrich Landwehr. Das waren aber „kleine Krauter“, die außer den Familienmitgliedern höchstens ein oder zwei Personen beschäftigten. Ebenso klein war auch M. L. Kabaker (gegründet 1887) angefangen, der später eine größere Fabrik in der Schuhstraße 42/44 betrieb, wo nach ihm die Möbelfabrik des Präsidenten der Handwerkskammer Heinrich Noah war.

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